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The Cost of Inaction: Wie verzögerte Prozesse Performance und Profit auffressen

Geschrieben von Julian Weiß | 18.08.2025 07:00:00

In vielen Unternehmen laufen kleine Ineffizienzen einfach mit. Sie sorgen nicht für große Schlagzeilen, stören den Betrieb nicht sofort – und lösen selten direkte Maßnahmen aus.

Aber genau da liegt das Problem: Mit der Zeit summieren sich diese kleinen Ineffizienzen. Und wenn sie sich über Tausende von Transaktionen ziehen, wird aus einem kleinen Reibungsverlust ein echter Kostenblock – mit Folgen für Effizienz, Mitarbeitende und Geschäftserfolg.

In diesem Artikel schauen wir uns ein konkretes Beispiel aus der Praxis an – und zeigen, wie Process Mining helfen kann, diese versteckten Verluste sichtbar zu machen.

Wenn „gut genug“ plötzlich Millionen kostet: Ein realistisches Szenario

Stell dir vor, du arbeitest in einer mittelgroßen Bank mit rund 200 Mitarbeitenden. Jedes Jahr werden dort 60.000 Kreditanträge bearbeitet – mit einem durchschnittlichen Kreditvolumen von 10.000 bis 30.000 Euro.

Oberflächlich läuft alles solide. Aber ein genauerer Blick zeigt: Der Kreditvergabeprozess ist im Schnitt drei Stunden langsamer als bei den Wettbewerbern. Während viele andere Banken schon bei 70 % Dunkelverarbeitung angekommen sind – also automatisierte Entscheidungen ohne manuelles Eingreifen –, hängen bei euch viele Schritte noch in manuellen Prüfungen, Rückfragen und Abstimmungsschleifen.

Was das in Zahlen bedeutet:

  • 60.000 Kredite × 3 Stunden = 180.000 Stunden pro Jahr
  • Das entspricht 90 Vollzeitstellen, die rein in Verzögerungen stecken
  • Bei einem angenommenen internen Stundensatz von 40 Euro entstehen so jährlich 7,2 Millionen Euro an Prozessverlusten

Das ist keine theoretische Rechnung, sondern reale betriebliche Belastung – durch unnötige Arbeit, Wartezeiten für Kund:innen und entgangene Chancen.

Was Verzögerungen wirklich bedeuten: Operative, strategische und menschliche Kosten

Die 7,2 Millionen Euro sind nur ein Teil der Wahrheit. Die Cost of Inaction reicht viel weiter – und betrifft fast alle Bereiche eines Unternehmens:

  • Kundenerlebnis leidet: Wer auf Entscheidungen warten muss, springt eher ab oder ist unzufrieden. Im schlimmsten Fall geht das Geschäft an die Konkurrenz.
  • Mitarbeitende werden falsch eingesetzt: Statt sich um komplexe, wertschöpfende Aufgaben zu kümmern, verlieren Teams Zeit in wiederholten manuellen Schritten. Das frustriert – und führt auf Dauer zu Kündigungen.
  • Compliance wird zum Risiko: Wenn Prozesse manuell ablaufen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Fehler passieren – oder Dokumentationen unvollständig sind.
  • Innovation bleibt auf der Strecke: Wer seine Kapazitäten in ineffizienten Abläufen bindet, hat weniger Spielraum für Neues.

Besonders kritisch: Diese Effekte sind oft nicht direkt sichtbar. Entscheidungen werden dann auf Basis von Symptomen getroffen – etwa niedriger Durchsatz oder verpasste Ziele – ohne zu verstehen, was im Prozess eigentlich falsch läuft.

Vom Durchblick zur Veränderung: Wie Process Mining echte Hebel schafft

Zum Glück gibt es längst Werkzeuge, mit denen man dieses Problem strukturiert angehen kann. Process Mining bietet einen datenbasierten Ansatz, um Ineffizienzen sichtbar zu machen und gezielt anzugehen.

1. Transparenz schaffen

Process Mining analysiert Events aus deinen operativen Systemen – und zeigt dir in Echtzeit, wie Prozesse wirklich laufen. Nicht so, wie sie mal modelliert wurden. Sondern so, wie sie heute im Alltag funktionieren. Das legt offen, wo Verzögerungen entstehen, wie lange sie dauern und warum.

2. Business Case quantifizieren

Wenn du Bottlenecks kennst, kannst du sie in harte Zahlen übersetzen. Wie viel Zeit geht pro Fall verloren? Was kostet jede Stunde Verzögerung? Damit entsteht eine solide Grundlage, um Maßnahmen nach Impact, Aufwand und ROI zu priorisieren.

3. Automatisierung gezielt einsetzen

Nicht jede Automatisierung lohnt sich. Process Mining hilft dir, genau die Stellen zu identifizieren, wo Automatisierung den größten Effekt bringt – z. B. durch mehr Dunkelverarbeitung, weniger Rückfragen oder schnellere Durchlaufzeiten. So vermeidest du blindes Optimieren und setzt deine Ressourcen dort ein, wo sie am meisten bringen.

Food for Thought

Was würde es für dein Unternehmen bedeuten, 180.000 Arbeitsstunden pro Jahr zurückzugewinnen?

Wie viele strategische Projekte bleiben liegen, weil das Tagesgeschäft alle Kapazitäten frisst?

Sind deine Prozesse so gestaltet, wie sie heute gebraucht werden – oder einfach noch so, wie sie mal entstanden sind?

Und die entscheidende Frage:
Wenn dir das Nicht-Handeln schon jetzt Millionen kostet – wie teuer wird es, noch ein Jahr zu warten?

Fazit

Betriebliche Ineffizienzen sind selten laut – aber fast immer teuer.

Wer sie ignoriert, verliert über die Zeit Geld, Motivation und Innovationskraft.
Aber das muss nicht so sein. Und vor allem: Man kann sie sichtbar machen.

Process Mining liefert dir diese Transparenz. Und damit die Möglichkeit, aus schleichendem Verlust echten Fortschritt zu machen.