Two for One: Entscheidungsprozesse im Unternehmen entwirren
Willkommen zurück bei Two-for-One, unserer monatlichen Serie, in der wir uns mit einem typischen Problem im Business Process Management beschäftigen – und zwei pragmatische Wege aufzeigen, es zu lösen.
Diesmal geht es um Entscheidungsfindung. Trotz besserer Daten, smarter Tools und ausgefeilter Analytics tun sich viele Unternehmen nach wie vor schwer mit guten Entscheidungen. Das bremst nicht nur den Fortschritt, sondern schwächt langfristig die Effizienz.
Warum Entscheidungsprobleme in Unternehmen bestehen bleiben
Unternehmen stecken heute in einem Paradox: Entscheider*innen haben Zugang zu mehr und besseren Daten als je zuvor – doch die Qualität der Entscheidungen hat sich nicht im gleichen Maß verbessert.
Laut einer McKinsey-Studie glauben 72 % der Führungskräfte, dass schlechte strategische Entscheidungen genauso häufig – oder sogar häufiger – vorkommen wie gute. Für Entscheider*innen ist das alarmierend. Denn: Die Qualität von Entscheidungen hat direkten Einfluss auf Agilität, Innovationskraft und die langfristige Performance. Wenn Entscheidungen langsam, unklar oder ständig revidiert werden, verliert das Unternehmen an Tempo und das Vertrauen der Mitarbeitenden nimmt ab.
Das Problem liegt nicht im fehlenden Datenmaterial. Vielmehr ist es oft die interne Komplexität, unklare Verantwortlichkeiten und ein Kommunikations-Overload. Kurz gesagt: Unternehmen wissen mehr, entscheiden aber schlechter.
Wie sich schlechte Entscheidungen im Alltag zeigen
Wer schon mal in einem Meeting saß, das sich im Kreis dreht und zu keinem Ergebnis kommt, kennt das Problem aus erster Hand. In vielen Organisationen scheitert die Entscheidungsfindung an:
- Paralyse durch Analyse: Zu viele Daten, zu viel Grübelei, zu große Angst vor Fehlern.
- Endlose Diskussionen: Es wird viel gesprochen, aber nichts entschieden.
- Unklare Zuständigkeit: Niemand fühlt sich verantwortlich – Entscheidungen versanden.
- Zu viele Köche: Entscheidungen werden eskaliert oder in große Runden gezogen, in denen Know-how verloren geht.
Ein typisches Beispiel: Eine kleine Budgetanpassung muss durch die oberste Führungsebene freigegeben werden. Das verlangsamt den Prozess unnötig und bindet wertvolle Ressourcen. Umgekehrt fliegen wichtige „Big Bet“-Entscheidungen manchmal unter dem Radar – bis es zu spät ist, gegenzusteuern.
Das Ergebnis: Ineffizienz, Frust bei den Mitarbeitenden und verpasste Chancen.
Zwei pragmatische Ansätze für bessere Entscheidungen
Um diese Herausforderungen zu lösen, braucht es einfache, aber wirkungsvolle Strategien. Hier sind zwei Ansätze, die sowohl die Entscheidungsqualität als auch die organisatorische Effizienz verbessern:
Entscheidungen nach Typ klassifizieren
Nicht jede Entscheidung ist gleich wichtig – trotzdem behandeln viele Unternehmen sie so. Ein hilfreicher erster Schritt ist, Entscheidungen in Kategorien einzuteilen:
- Big Bets: Seltene, richtungsweisende Entscheidungen mit großer Tragweite (z. B. Übernahmen, Markteintritte).
- Cross-Cutting Decisions: Häufige Entscheidungen, die Zusammenarbeit über Teams hinweg erfordern (z. B. Produktlaunches, Pricing).
- Delegated Decisions: Routinemäßige, risikoarme Entscheidungen, die schnell von denjenigen getroffen werden sollten, die nah an der Sache dran sind (z. B. Einstellungen, kleinere Anschaffungen).
Diese Kategorisierung verhindert unnötige Bottlenecks. Delegated Decisions gehören nicht auf den Tisch der Geschäftsleitung – Big Bets hingegen sollten ganz bewusst dorthin.
Vorteile:
- Verhindert Over-Engineering bei Routinefragen
- Schafft Freiräume für strategisch relevante Themen
- Gibt eine klare Struktur vor – für schnellere, bessere Entscheidungen
Langfristiger Effekt:
Organisationen, die Entscheidungen systematisch klassifizieren, etablieren mit der Zeit eine Kultur der Klarheit. Mitarbeitende wissen, was sie selbst entscheiden dürfen – und was sie eskalieren müssen. Das reduziert Reibung und beschleunigt den Arbeitsfluss.
Klare Verantwortung mit „One Decision, One Owner“
Ein weiteres häufiges Problem: geteilte oder fehlende Verantwortung. Wenn mehrere Personen verantwortlich sind – oder niemand – geht es selten voran.
Die Lösung ist einfach, aber wirkungsvoll: Für jede Entscheidung gibt es einen* klar benannten Verantwortlichen. Das heißt nicht, dass andere keine Meinungen äußern dürfen – aber am Ende trägt eine Person die Verantwortung und sorgt für Umsetzung.
Vorteile:
- Schafft Ownership und klare Zuständigkeit
- Beschleunigt die Umsetzung durch weniger Diskussion
- Verhindert Missverständnisse und Entscheidungsstau
Langfristiger Effekt:
Wird dieses Prinzip flächendeckend umgesetzt, stärkt das die Eigenverantwortung. Teams können schneller agieren, ohne bei jeder Kleinigkeit auf ein Go von oben zu warten. Gleichzeitig können sich Führungskräfte auf die wirklich entscheidenden Fragen konzentrieren.
Food for Thought: Struktur ohne Starrheit
Natürlich ist keine Methode frei von Herausforderungen. Bei der Umsetzung lohnt es sich, folgende Fragen im Blick zu behalten:
- Wie kann man Entscheidungen sinnvoll klassifizieren, ohne es zu kompliziert zu machen?
- Wie lässt sich Verantwortlichkeit mit echter Zusammenarbeit verbinden – also Input ermöglichen, ohne in Unklarheit zu verfallen?
- Wie verhindern wir, dass Entscheidungsgewalt nach einem Fehler reflexartig wieder an die Spitze gezogen wird?
Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem empfehlen wir unser Whitepaper zum prozessorientierten Entscheiden – mit konkreten Einblicken, wie strukturiertes Vorgehen echte Mehrwerte schafft.
Fazit
Bessere Entscheidungen sind kein Ergebnis von mehr Daten oder zusätzlichen Meetings. Es geht darum, wie entschieden wird – und mit welcher Klarheit.
Wer Entscheidungen klug kategorisiert und klar zuweist, spart Zeit, erhöht die Umsetzungskraft und steigert die Gesamteffizienz.
Wenn Dein Unternehmen aktuell unter langsamen oder schwachen Entscheidungen leidet, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Veränderung. Melde Dich gern bei uns – wir zeigen Dir, wie sich effektive Entscheidungsframeworks schnell etablieren lassen. Und wie sie nicht nur heutige Probleme lösen, sondern Dein Unternehmen zukunftsfest machen.
FAQ
Warum haben Unternehmen trotz vieler Daten Probleme mit Entscheidungsfindung?
Daten allein lösen keine strukturellen Probleme. Unklare Verantwortlichkeiten, organisatorische Komplexität und Kommunikationsüberlastung verlangsamen die Entscheidungsfindung und verringern die Effizienz.
Was ist der beste Weg, die Entscheidungsfindung in einem Unternehmen zu verbessern?
Ein bewährter Ansatz ist es, Entscheidungen nach Typ zu klassifizieren – große Wetten, bereichsübergreifende und delegierte Entscheidungen – und für jede Entscheidung einen klar verantwortlichen Eigentümer zu benennen.
Wie wirkt sich unklare Verantwortung auf die organisatorische Effizienz aus?
Ohne klare Verantwortung werden Entscheidungen verzögert, doppelt getroffen oder ganz vermieden. Dies senkt die Effizienz, erhöht die Kosten und schwächt das Vertrauen der Mitarbeitenden.
Welche Vorteile hat es, Entscheidungen nach Typ zu klassifizieren?
Entscheidungen werden auf der richtigen Ebene getroffen, Routineentscheidungen werden nicht unnötig eskaliert, und die Führung kann sich auf strategisch wichtige Themen konzentrieren.
Wie können Unternehmen Zusammenarbeit und Verantwortung bei Entscheidungen ausbalancieren?
Zusammenarbeit soll Entscheidungen unterstützen, nicht die Verantwortung verwässern. Wichtig ist, vielfältige Meinungen einzubeziehen, aber eine Person klar verantwortlich zu machen.
Kann bessere Entscheidungsfindung wirklich die organisatorische Effizienz steigern?
Ja. Klare und strukturierte Entscheidungsprozesse reduzieren Zeitverschwendung in Meetings, beschleunigen die Umsetzung und helfen Unternehmen, schneller auf Veränderungen zu reagieren.