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Two for One: Warum IT-Investitionen oft nicht zu mehr Produktivität führen – und was du dagegen tun kannst

Geschrieben von Julian Weiß | 18.08.2025 07:00:00

Wenn Technologie nicht das hält, was sie verspricht

Willkommen zurück bei „Two-for-One“ – unserer monatlichen Kolumne zu Problemen im Business Process Management und zwei handfesten Lösungen, die auf Forschung basieren.

Diesmal geht’s um ein Thema, das viele Unternehmen kennen: Warum steigen eigentlich die Ausgaben für IT, aber die Produktivität bleibt auf der Stelle?

Ob Cloud, KI oder moderne Enterprise-Software – die Tools sind da. Sie werden gekauft, implementiert, trainiert. Aber was fehlt? Der spürbare Effekt auf Output und Effizienz.

Die Antwort ist eigentlich simpel: Technologie allein bringt nichts, wenn sich die Arbeitsweise nicht mitverändert. Wer nur digitalisiert, ohne die dahinterliegenden Prozesse neu zu denken, wird digital – aber nicht produktiver.

Zwischen IT-Budget und echten Ergebnissen: Wo’s hakt

Das Szenario ist bekannt: Ein Unternehmen führt ein neues ERP-System ein. Eigentlich soll das Abläufe vereinfachen. Doch was passiert? Die Leute umschiffen neue Workflows, die Abteilungen arbeiten weiter in Silos, alte Gewohnheiten bleiben – und alles wird noch unübersichtlicher.

Viele denken: bessere Tools = bessere Ergebnisse. Doch wie Erik Brynjolfsson, Seth Benzell und Daniel Rock in ihrer Studie von 2020 zeigen, trifft das selten zu. Es gibt eine systematische Lücke zwischen dem, was digital möglich wäre, und dem, was tatsächlich an Produktivität ankommt.

Diese sogenannte Productivity Paradox gibt es nicht erst seit gestern. Schon in den 1980ern war das ein Thema – und mit KI & Co. wird es wieder aktuell: Neue Tools bringen nur dann etwas, wenn sie auch die Art zu arbeiten verändern.

Zwei Wege, um das Produktivitäts-Dilemma zu lösen

1. Das Productivity Paradox aktiv angehen – mit Business Process Redesign

Was ist das?

Um das Paradox zu durchbrechen, reicht es nicht, einfach Systeme einzuführen. Man muss Prozesse neu denken – und zwar grundsätzlich. Die Frage ist nicht nur „Wie digitalisiere ich diesen Ablauf?“, sondern auch: „Brauchen wir diesen Ablauf überhaupt noch?“

Business Process Redesign (BPR) bedeutet: Arbeitsweisen so umstrukturieren, dass sie wirklich zur digitalen Realität passen – für mehr Effizienz, Qualität und Tempo.

Schon 1975 beschrieben William J. Abernathy und Phillip L. Townsend, dass Produktivität nicht primär durch Technik, sondern durch die organisatorischen Veränderungen drumherum entsteht. Klingt aktuell? Ist es auch.

Warum funktioniert’s?

  • Weil es das Kernproblem löst: Prozesse werden nicht einfach digitalisiert, sondern sinnvoll neu aufgestellt.
  • Weil es auf die sogenannte Productivity J-Curve einzahlt – laut Brynjolfsson et al. gibt’s nach der Einführung erstmal eine Flaute, bis Know-how und Routinen greifen. Dann steigen die Zahlen spürbar.
  • Weil IT vom Tool zum echten Enabler wird – für Transformation, nicht nur für Automatisierung.

Wie sieht das konkret aus?

  • Abteilungsgrenzen aufbrechen – mit cross-funktionalen Prozessketten, unterstützt durch zentrale Datenplattformen.
  • Genehmigungsschleifen durch Automatisierung ersetzen.
  • Überholte manuelle Schritte weglassen – da, wo die Technik es heute längst besser kann.

Was bringt’s langfristig?

Du baust ein agiles, anpassungsfähiges Unternehmen auf – bereit, mit der Technik zu wachsen. Der Knoten zwischen teurer IT und fehlendem Impact? Löst sich langsam, aber sicher.

2. In „Intangible Capital“ investieren – damit IT-Transformation überhaupt möglich wird

Was ist das?

Auch mit perfekt designten Prozessen funktioniert digitale Transformation nicht, wenn die Leute nicht mitziehen. Genau hier kommt intangible capital ins Spiel.

Dazu zählen: Schulungen, Change Management, Führungskräfte, die vorangehen – und eine Kultur, die Zusammenarbeit und Neugier fördert.

Warum ist das entscheidend?

  • Weil Mitarbeitende so fit im Umgang mit neuen Tools werden.
  • Weil Beteiligung entsteht – und damit echte Veränderung.
  • Weil Innovation dauerhaft nur dort entsteht, wo man experimentieren darf, ohne Angst zu haben.

Schon 1998 zeigten Erik Brynjolfsson und Lorin Hitt: Wer IT und Prozessentwicklung kombiniert, performt deutlich besser als mit IT allein. Und Varun Grover & Co. bewiesen: Ohne Prozessveränderung kommt das Potenzial von IT nicht bei den Menschen an.

Langfristiger Nutzen

Im Gegensatz zu physischen Assets wächst intangible capital über Zeit. Wer heute in Schulung und Kultur investiert, ist morgen schneller in der Lage, mit neuen Technologien umzugehen – und zieht im Wettbewerb an anderen vorbei.

Food for Thought

  • Messen wir die Effekte von Kultur und Training genauso ernsthaft wie Hardware-Kosten?
  • Haben wir wirklich die Art zu arbeiten verändert – oder nur neue Tools draufgepackt?
  • Sind die Leute, die die Arbeit machen, Teil der Veränderung – oder werden Entscheidungen nur von oben getroffen?

Fazit: Technik, Prozesse, Menschen – alles hängt zusammen

Technologie kann viel. Aber ohne neue Denkweise und die richtigen Menschen bleibt sie nur ein teures Upgrade für alte Abläufe.

Die echten Produktivitätsgewinne kommen erst, wenn Prozesse neu gedacht und Menschen mitgenommen werden.

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Warum bringt IT nicht automatisch mehr Produktivität?

Weil echte Effizienz nur dann entsteht, wenn sich Arbeitsweisen, Prozesse und Verhalten gleichzeitig weiterentwickeln. IT allein reicht nicht.

Was ist das Productivity Paradox?

Das von Brynjolfsson, Benzell und Rock beschriebene Phänomen zeigt: Obwohl Technologie besser wird, bleibt Produktivität oft aus – weil Organisationen sich zu langsam anpassen.

Was bedeutet Productivity J-Curve?

Der Begriff beschreibt: Nach der Einführung von IT geht die Produktivität erstmal runter – dann steigen die Effekte, sobald sich neue Fähigkeiten und Strukturen etabliert haben.

Wie löst man das Paradox?

Indem IT-Investitionen mit Prozess-Redesign und kulturellem Wandel verbunden werden – z.B. durch Training, Führung und Teamarbeit.

Warum ist Intangible Capital so wichtig für IT-Transformation?

Weil Tools nur so gut sind wie die Menschen, die sie nutzen. Skills, Haltung und Zusammenarbeit entscheiden darüber, ob IT in der Praxis wirkt.