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Quick Tips: Vier Entscheidungsarten und was sie für BPM bedeuten

Geschrieben von Julian Weiß | 09.09.2025 07:00:00

Willkommen zurück bei unserer Quick-Tips-Reihe. Diesmal geht’s um ein Thema, mit dem sich jedes Unternehmen rumschlagen muss: Entscheidungen treffen. Oft wird bei der Prozessgestaltung so getan, als wären alle Entscheidungen gleich. Das Ergebnis? Nebensächlichkeiten ziehen sich über Wochen, während wichtige strategische Fragen fast ohne Struktur abgehandelt werden.

Fakt ist: Nicht jede Entscheidung ist gleich. Wer vier unterschiedliche Entscheidungsarten erkennt und seine Business-Process-Management-(BPM)-Praxis entsprechend ausrichtet, kann Tempo und Qualität der Ergebnisse deutlich verbessern.

Problem: Wenn jede Entscheidung gleich aussieht

Viele Unternehmen wenden auf alle Entscheidungen dieselbe Governance, dieselben Freigabeprozesse oder identische Workflows an. Das wirkt auf den ersten Blick effizient – ist es aber oft nicht. Kleine, umkehrbare Entscheidungen hängen dann in langen Genehmigungsschleifen fest, während bei großen Weichenstellungen die nötige Tiefe fehlt.

Und das hat Folgen: Laut einer McKinsey-Studie sind 72 % der Führungskräfte der Meinung, dass in ihrem Unternehmen schlechte Entscheidungen genauso häufig – oder häufiger – getroffen werden wie gute.

Fehlt die Klarheit darüber, wie Entscheidungen getroffen werden sollen, leidet die Performance und die Organisation wird weniger anpassungsfähig.

Die Tücken eines One-Size-Fits-All-Ansatzes

Wenn alle Entscheidungen gleich behandelt werden, entstehen klassische Engpässe: endlose Meetings ohne klare Entscheidungsverantwortung, strategische Themen, die unnötig eskaliert werden, und operative Fragen, die plötzlich Chefsache sind.

Manche Führungskräfte sprechen in dem Zusammenhang sogar von „Decision Diseases“:

  • Paralyse – Meetings, aus denen nichts Konkretes hervorgeht.
  • Verwässerte Verantwortung – Viele reden mit, aber niemand entscheidet.
  • Fehleinschätzungen – Unwichtige Themen werden aufgeblasen, während echte Risiken durchrutschen.

Was hilft? Die verschiedenen Entscheidungsarten unterscheiden – und BPM-Prozesse gezielt darauf zuschneiden.

Vier Entscheidungsarten im BPM – und wie man sie angeht

1. Big Bets – Struktur für Entscheidungen mit großer Tragweite

Was ist das?
Seltene, aber entscheidende Entscheidungen: etwa Übernahmen, Markteintritte oder große Investitionen.

Was heißt das für BPM?
Solche Entscheidungen brauchen klare Meilensteine, einen Executive Sponsor und Transparenz bei allen Abhängigkeiten im Unternehmen. Der Entscheidungsprozess sollte in Phasen gegliedert sein, mit definierten Gates zur Bewertung.

Mehrwert:
So bleibt der strategische Fokus erhalten, man übersieht weniger – und wenn entschieden wird, steht die Organisation auch dahinter.

2. Cross-Cutting Decisions – Zusammenarbeit richtig orchestrieren

Was ist das?
Häufige Entscheidungen mit vielen Beteiligten – etwa Preisstrategien oder Produktlaunches.

Was heißt das für BPM?
Zuständigkeiten klar definieren, Übergaben abbilden, Koordinationspunkte schaffen – ohne dabei unnötige Bürokratie aufzubauen. Der Prozess sollte unter Realbedingungen getestet werden.

Mehrwert:
Gut abgestimmte Prozesse vermeiden Silos und sorgen dafür, dass Abteilungen auf Linie sind – und Ergebnisse schneller und besser zustande kommen.

3. Delegated Decisions – Den Alltag effizient automatisieren

Was ist das?
Routineentscheidungen mit geringem Risiko: Genehmigungen, Einstellungsentscheidungen oder Ressourcenverteilungen.

Was heißt das für BPM?
Diese Entscheidungen gehören dorthin, wo sie hingehören – auf die passende Organisationsebene. Schwellenwerte definieren, ab wann eskaliert werden muss. Automatisierung und KI gezielt einsetzen, aber dabei Transparenz und Verantwortlichkeit wahren.

Mehrwert:
Führungskräfte gewinnen Zeit für strategische Themen, Mitarbeitende übernehmen Verantwortung – und die Abläufe werden schneller.

4. Ad-hoc Decisions – Unerwartetes nutzbar machen

Was ist das?
Spontane, unvorhersehbare Entscheidungen, die einfach passieren.

Was heißt das für BPM?
Nicht ignorieren, sondern leichtgewichtige Dokumentation und Feedbackkanäle einbauen. Festhalten, was entschieden wurde, warum – und mit welchem Ergebnis.

Mehrwert:
So geht Wissen nicht verloren, Muster werden erkennbar – und Prozesse wie Entscheidungskultur verbessern sich kontinuierlich.

Food for Thought: Wie geht Deine Organisation mit Entscheidungen um?

  • Welche Entscheidungen werden bei euch falsch eingestuft – als Routine behandelt, obwohl sie strategisch sind (oder umgekehrt)?
  • Spiegelt euer BPM die tatsächliche Vielfalt an Entscheidungstypen wider – oder läuft alles nach demselben Muster?
  • Wie könnte mehr Differenzierung in BPM die Agilität und das Vertrauen in Entscheidungen stärken?

Fazit: BPM muss zur Realität von Entscheidungen passen

Gutes BPM dreht sich nicht nur um Workflows und Freigaben – es geht darum, Entscheidungsprozesse sinnvoll zu strukturieren. Wer seine Prozesse an den vier Entscheidungstypen ausrichtet, sorgt für Klarheit, Tempo und Verantwortlichkeit.

Die zentrale Erkenntnis: Entscheidungen sind dann am effektivsten, wenn der Prozess zum Gewicht, zur Häufigkeit und zur Reichweite der Entscheidung passt. Unternehmen, die das verstehen, machen aus Entscheidungsfrust einen echten Performance-Treiber.

Quick Tip: Schau Dir Deine aktuellen Prozesse an. Wo würde ein differenzierter Umgang mit Entscheidungstypen Tempo und Qualität verbessern?

 

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche vier Arten von Entscheidungen gibt es im Business Process Management?

Die vier Typen sind: Big Bets (strategische Großentscheidungen), Cross-Cutting Decisions (funktionsübergreifende Entscheidungen), Delegated Decisions (delegierte Routineentscheidungen) und Ad-hoc Decisions (spontane Entscheidungen).

Warum ist die Unterscheidung zwischen Entscheidungstypen wichtig?

Nicht jede Entscheidung hat den gleichen Stellenwert. Durch die Klassifizierung lassen sich Prozesse so gestalten, dass sie effizienter und passgenauer sind.

Wie unterstützt BPM bei Big-Bet-Entscheidungen?

BPM kann klare Meilensteine, Verantwortlichkeiten und Entscheidungs-Gates abbilden, um große Investitionen oder Transformationen strukturiert zu steuern.

Wie lassen sich Ad-hoc-Entscheidungen im BPM berücksichtigen?

Auch spontane Entscheidungen sollten dokumentiert werden. So gehen Erkenntnisse nicht verloren und Muster können erkannt und in Prozesse integriert werden.

Welche Rolle spielt Automatisierung bei delegierten Entscheidungen?

Automatisierung und KI können Routineentscheidungen beschleunigen, indem sie Regeln und Schwellenwerte einhalten. Führungskräfte behalten dennoch Transparenz und Kontrolle.